Fraktionsvorsitzender Jörg Volleth informiert sich vor Ort auf dem Erich-Keller
Fraktionsvorsitzender Jörg Volleth informiert sich vor Ort auf dem Erich-Keller

Baumfällungen am Bergkirchweihgelände bis BWA am 7. Mai 2019 stoppen

Den Antrag der CSU-Stadtratsfraktion finden Sie am Ende dieser Seite zum Download.

Stellungnahme der CSU-Stadtratsfraktion vom 25.04.2019

Wir haben die Antworten der Stadtverwaltung auf unsere Fragen erhalten.

Für uns sind diese Antworten nicht ausreichend.

Auch wir stehen für eine höchstmögliche Sicherheit am Berg bzw. im ganzen Stadtgebiet, aber das "Entla´s Keller Gutachten", das auf zwei Bäume bezogen zu einem anderen Ergebnis kommt, wirft neue Fragen auf.

Dies will die Stadtverwaltung wohl ignorieren und möglicherweise schon heute die Fällungen wieder aufnehmen. Eine Antwort auf eine diesbezügliche Nachfrage – auch auf Facebook bei Oberbürgermeister Dr. Florian Janik – haben wir bisher nicht erhalten.

Wenn dem so wäre: für einen „Feigenblatt-Ortstermin“ am Freitag mit unmittelbarem Beginn der Fällarbeiten stünden wir nicht zur Verfügung.

Wir haben den Eindruck, die Stadtverwaltung hält an ihrer bisherigen Vorgehensweise fest: keine Beratung mit dem Stadtrat.

Die Vergabebefugnis des EB 77 gem. Betriebssatzung liegt bei Vergaben und Aufträgen über 200.000 € beim Werkausschuss.

Bei früheren Baumfällungen wurde dem Stadtrat mitgeteilt, dass Zugtests ca. 5.000 € pro Baum kosten. Wenn jetzt 48 Bäume getestet wurden, wäre demnach der Betrag nicht mehr in der Vergabebefugnis der Werkleitung.

Unser Eindruck: der Stadtrat wurde und wird bewusst umgangen, jetzt mit dem Joker-Argument „Gefahr im Verzug“.

Die CSU-Stadtratsfraktion hat kein Verständnis für diese Vorgehensweise der Stadtspitze.

Update vom 25.04.2019 - Antworten der Stadtverwaltung von heute

1. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Die Baumfällarbeiten werden zumindest bis zu einer Beratung im BWA am 7. Mai 2019 sofort gestoppt.

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Ein Stopp der Baumfällarbeiten ist aus rechtlicher Betrachtung nicht möglich, weil aufgrund der mangelnden Standsicherheit und der Zugänglichkeit zum Bergkirchweihgelände sonst ein fahrlässiges Handeln besteht. Der Sachgebietsleiter der Baumpflege, die Abteilungsleitung von Stadtgrün und Herr OBM Dr. Janik sind sich als verantwortliche und juristisch belangbare Personen einig, die Fällarbeiten deswegen nicht zu Pausieren, weil Gefahr im Verzug besteht.

 

2. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Es wird ein Vor-Ort-Termin anberaumt, an dem auch die Mitglieder des Stadtrats teilnehmen können.

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Gerne kann am Freitag den 26. April, vor Beginn der Fällarbeiten, ein weiterer Ortstermin anberaumt werden, ich bitte um Rückmeldung bis Donnerstag 16 Uhr.

3. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Dem Stadtrat wird ein zweites Gutachten vorgelegt, ob diese Baumfällungen tatsächlich alternativlos sind oder ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, die Bäume zu retten und trotzdem die Sicherheit zu gewährleisten.

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Ein zweites Gutachten ist aus zeitlichen Gründen nicht realisierbar, wenn Ausschreibungskriterien eingehalten werden sollen. Zudem erscheint es mir wenig sinnvoll erneut Zugversuche an den gleichen Bäumen zu veranlassen. Zudem brauchen Nachuntersuchungen Zeit, die Untersuchungen vom 23. April brauchen beispielsweise bis 25. April bis für zwei Bäume ein Gutachten erstellt ist. In dieser Zeit liegt die Verantwortung für die Verkehrssicherheit bei Stadtgrün.

 

4. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Welche Maßnahmen hat die Stadt Forchheim auf dem Kellerberg für das Annafest getroffen?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

In Forchheim wurden vor dem Fall eines großen Stämmlings bei Sturm ca. 60 Bäume gefällt. Alle städtischen Bäume wurden begutachtet, der schadhafte Baum am Gothla-Keller wurde nicht untersucht weil es sich um privates Gelände handelt.

 

5. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Was hat die Stadt Erlangen seit dem Baumgutachten von 2016 zum Bergkirchweihgelände unternommen, um die Bäume zu pflegen, zu erhalten bzw. um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Die Bäume wurden teilweise in ihrer Krone durch Rückschnitte reduziert um die Windlast zu verringern, leider führen solche Rückschnitte auch zu einem Rückgang und einem geringeren Stoffwechsel bei den Wurzeln. Vitalisierende Maßnahmen, wie beispielsweise Humusierung des Oberbodens, oder Unterlassung der Laubräumung sind Aufgrund des Festbetriebes nicht möglich.

 

6. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Warum werden diese Maßnahmen dem Stadtrat nicht mitgeteilt?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Die Abteilung Stadtgrün hat am 10. April ein Faktenblatt zur Information des Stadtrates erstellt und über die weitere Werkleitung weiter gegeben.

 

7. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Wer trägt die Verkehrssicherungspflicht für den Baumbestand im Bereich des Festgeländes der Bergkirchweih?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Die Baumverantwortung für die städtischen Bäume trägt die Abteilung Stadtgrün. Die Verkehrssicherheit für Bäume welche auf Privatgrund stehen obliegt den Eigentümern, bzw. den Betreibern.

 

8. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Welche Bäume, die hätten erhalten werden sollen, wurden jetzt gefällt bzw. sollen gefällt werden?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Grundsätzlich sollen alle Bäume erhalten werden, die nicht im Zuge von Umbaumaßnahmen gefällt werden müssen, wie im Februar am Henninger Keller geschehen und vom BWA beschlossen.  Wenn sich durch die Zugversuche herausstellt dass die Standsicherheit im Wurzelraum nicht gegeben ist, auch nicht durch Kronenrückschnitte wieder hergestellt werden kann, muss gefällt werden. Während der Baumaßnahmen am Erich-Keller wurde, trotz mehrfacher Ermahnungen durch das Tiefbauamt, das beauftragte Ingenieurbüro und die Abteilung Stadtgrün, der Wurzelbestand eines Baumes durch die Baufirma so stark beschädigt, dass er nicht mehr standsicher war.

 

9. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Welche der Bäume stehen nicht auf städtischen Grundstücken?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Alle untersuchten Bäume stehen auf städtischem Grundstücken, der Zustand privater Bäume ist uns unbekannt, laut Schreiben vom 23. April vom Liegenschaftsamt an die Festwirte, wurde darauf hingewiesen, dass Bäume auf Privatgrund auch auf Ihre Standsicherheit überprüft werden müssen.

 

10. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Wann und wo werden Ersatzpflanzungen vorgenommen? Welche Größe und Baumart werden dann angepflanzt?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Ersatzpflanzungen werden im Herbst 2019 ausgeführt. Wo es möglich ist sollen fünf bis acht Großbäume mit einem Stammumfang von ca. 30 cm gepflanzt werden. Die ist dann möglich, wenn ausreichend Wurzelraum zur Verfügung gestellt werden kann, mindestens 12m³ FLL-Baumsubstrat. Alle anderen Ersatzpflanzungen werden mit Jungbäumen mit einem Stammdurchmesser von 16-18cm ausgeführt, weil diese sich schneller an die teilweise schwierige Umgebung anpassen und somit einen stabilen Baumbestand bilden.

 

11. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

In welchem Maß ist Totholz im Baumbestand am Berg ökologisch wertvoll und auch unter Sicherheitsaspekten möglich?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Totholz ist immer ökologisch wertvoll, jedoch problematisch wenn darunter der Verkehr eröffnet wird. Auf der Bergkirchweih ist der Verbleib von Totholz aus Gründen der Verkehrssicherung nicht sinnvoll.

 

12. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Wie lautete der genaue Auftrag der Gutachter 2016 und 2018?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

2015: Freihändiges Vergabeverfahren, AN Gutachter Dengler aus Lauf
Titel: Baumgutachten Bergkirchweih 2015
Leistungsbeschreibung Genaue Begutachtung von insgesamt 116 Bäumen auf dem Gelände der Bergkirchweih siehe Anlage
 
2018: Eingehende Untersuchung von insgesamt 97 Bäumen (davon 82 Bäume auf dem Gelände der Erlanger Bergkirchweih) gemäß FLL- Baumuntersuchungsrichtlinie „Eingehende Untersuchung“ Ausg. 2013.
beschränkte Ausschreibung, AN Gutachter Wenisch Konnersreuth
Titel: Baumgutachten 2018
Leistungsbeschreibung intensve visuelle und Gerätetechnische Untersuchung siehe Anlage
 

 

13. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Sind Zug-/Rütteltests an den Bäumen zwingend vorgeschrieben?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Die Zugversuche wurden im Gutachten von Herrn Wenisch im Dezember 2018 empfohlen das offizielle Gutachten vom Februar2019 hat dies manifestiert, um die Standsicherheit zu verifizieren. Das Gutachterbüro Wenisch hat alle überirdischen Faktoren geprüft und kam dann zu der Erkenntnis 43 Bäume durch Zugversuche untersuchen zu lassen. Während der Untersuchungen wurden von städtischer Seite noch fünf Bäume nachgemeldet.
 
Die Gewährleistung der Verkehrssicherheit ist gesetzlich vorgeschrieben.
 
„Rütteltests“ entziehen sich meiner Kenntnis.

 

 

14. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Welchen Wert hat das Holz der gefällten / nach Gutachten zu fällenden Bäume und wie wird das Holz verwertet?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Der Wert des Holzes ist als Brennholz zu bemessen und beträgt 15€ pro Ster, wird jedoch der Transport hinzugerechnet kann nicht mit Gewinn gerechnet werden.

 

15. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Haben jetzt beauftragtes Gutachterbüro und Baumfällunternehmen die gleichen Gesellschafter?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Das Gutachterbüro und das Baumpflegeunternehmen haben den gleichen Gesellschafter. Die Anfrage ob das Baumpflegeunternehmen aufgrund der hohen Dringlichkeit die Arbeiten ausführen kann, wurde nach Bekanntgabe der Ergebnis am 15. April gestellt. Aufgrund der hohen Dringlichkeit wurde die Baumpflegefirma direkt beauftragt weil dort Spezialfahrzeuge (Fällkran, LKW- mit Forstgreifer um Stammholztransportgestell, Hubsteiger mit weiter Ausladung) und Spezialkräfte (Baumkletterer mit SKT Schulung die Erfahrungen mit der Zusammenarbeit eines 200t Autokranes haben) vorhanden sind.

 

16. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Wie wurden diese Aufträge ausgeschrieben / vergeben?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Aufgrund der hohen Dringlichkeit wurde der Auftrag direkt vergeben. (Gefahr im Verzug)

 

17. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Warum wurde der Stadtrat vom Ergebnis des Gutachtens Oktober 2018 nicht ausführlich unterrichtet und beteiligt?

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Das Ergebnis des Gutachtens vom Februar 2019 war wie oben beschrieben noch nicht konkret, weil die vorgeschlagenen eingehenden Untersuchungen in Form der Zugversuche abgewartet werden mussten, um konkrete Ergebnisse zu liefern.

 

18. Frage der CSU-Stadtratsfraktion:

Auf welche Windstärken sind die Baumpflegemaßnahmen am Bergkirchweihgelände ausgerichtet?
Der Deutsche Wetterdienst beschreibt Windstärke 10 als „schweren Sturm“ mit 90 bis 100 km/h und beschreibt die Auswirkungen des Windes im Binnenland: „Wind bricht Bäume, größere Schäden an Häusern“
www.wettergefahren.de/warnungen/windwarnskala

 

Antwort der Stadtverwaltung - vom Gutachterbüro:

Der Ausdruck Windgeschwindigkeit ist etwas irreführend und wird von uns hauptsächlich zur Verdeutlichung verwendet um sich die (Last-)Annahmen besser vorstellen zu können.
Im eigentlichen Sinne ermitteln wir die zu erwartenden Winddrücke und daraus dann die Windlast. Basis der Windlastermittlung an Bäumen ist eine Adaption der DIN 1055-4 [1] vor allem nach Wessolly [2]. Die Windskala des Links, angegeben in der Frage 18, gibt mittlere Windgeschwindigkeiten, gemittelt über 10 min an. Für die Fragen der Bau- bzw. Baumstatik muss im ersten Schritt geklärt werden, wie hoch die möglichen Böen einer aus einer 10min gemittelten Windgeschwindigkeit werden können.
In der Bau- und Baumstatik als auch in unserem Gutachten folgen wir hier den Vorgaben der DIN 1055-4:
<image002.jpg>
Abbildung 1 - Böenwindgeschwindigkeit in Abh. der gemittelten Windgeschwindigkeit [1]
Hat man nun im ersten Schritt die max. Böengeschwindigkeiten ermittelt werden anschließend Windlast verstärkende bzw. schwächende Faktoren begutachtet. Neben dem Schwingungsverhalten des zu betrachtenden Baumes sind vor allem Düseneffekte die maßgeblichen Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt. Muss z.B. der Wind durch einen verengten Querschnitt, so muss er um den Massestrom beizubehalten die Geschwindigkeit in diesem Bereich lokal erhöhen (vgl. Abbildung 2).
<image004.jpg>
Abbildung 2 - Düseneffekt von Bauwerken auf Bäumen
So kann es durchaus sein, dass Bäume die nur wenige Meter nebeneinander stehen eine signifikant höhere Windlast haben.
Die nicht endlichen Möglichkeiten von Faktoren die dabei berücksichtig werden könnten, haben dazu geführt, dass man in der DIN 1055-4 bis Bauwerkshöhen von 25 m konstante Winddrücke annimmt:
<image006.jpg>
Abbildung 3 - anzunehmende Winddrück nach DIN 1055-4 bis 25 m Bauwerkshöhe
Die dann anzunehmenden Winddrücke wurden in unserem Gutachten verwendet und entsprechen einer äquivalenten Windgeschwindigkeit von Beaufort 12. Dieser Wert gibt aber keine Auskunft über Windstärken z.B. aus dem Wetterbericht, sondern ist eine Lastannahme streng den Normen und dem Stand der Technik folgend.
Nichtsdestotrotz haben die Bäume einen gravierenden Vorteil: Sie können über die Dehnung verursacht durch Windbelastung der Rand- bzw. Holzfasern ihre spezifische Windlast messen. Je größer die Windlast ist, desto mehr kann der Baum dann an diesen überdehnten Stellen Holz- bzw. Wurzelmasse zubauen um die geeignete Sicherheit herzustellen.
Stellen wir im Rahmen von Untersuchungen fest, dass z.B. alle untersuchten Bäume ggü. der Lastannahme aus Abbildung 3 unsicher sind und zusätzlich keine visuellen Schadsymptome aufweisen, so können wir darauf schließen, dass die Lastannahme zu hoch ist.
Im Fall der zu fällenden Bäume am Burgberg finden wir aber sehr wohl Bäume (die Hälfte der untersuchten) die eine deutliche Sicherheit ggü. der Windlast aus Abbildung 3 bzw. unserer Lastannahme aufweisen (teilweise über 300%). Das ist ein klares Zeichen, dass die Lastannahmen korrekt gewählt sind. Es ist auf Basis der Literatur als auch unserer Erfahrung nach auszuschließen, dass Bäume Standsicherheiten von über 300% entwickeln ohne vorhandene Notwendigkeit.
Auch aus diesem Grund kann ein Zweitgutachten wenig Aufschluss bringen, da dieses die umgebenden Bäumen nicht untersucht hat (n=47) und damit eine Plausibilisierung der Windlasten dort nicht stattfinden kann.
 
Weitergehende Anmerkung
Bäume werden im Rahmen der Windlastermittlung in Abh. der Baumart mit einem cW Wert berücksichtigt. Je höher der cW Wert desto höher ist der Winddruck (bekannt vom Auto). Der Baum zeigt ähnlich wie ein Segelboot einen abnehmenden cW Wert mit steigender Windgeschwindigkeit. Neigt sich das Segelboot und verringert damit seine Segelfläche so entsteht dieser Effekt bei Bäumen hauptsächlich durch das Wegbiegen der Äste sowie das Anstellen der Blätter in Windrichtung. So hat eine Stieleiche bei Windstärke 12 einen cW Wert von 0,25. Ein stark zurückgeschnittener Baum, wie die fallgegenständlichen am Burgberg, haben jedoch einen deutlich geringeren Anteil an flexiblen Ästen, die sich dem Wind „beugen“ können. Dadurch ist hier auch eher von einem cw > 0,25 auszugehen. Dies konnte auch bereits in Windkanaluntersuchungen von SIEGERT / SIEGERT / RINN nachgewiesen werden. Dies ist unter anderem der Grund, neben der fachlichen Einschätzung, weshalb neben der Verkehrserwartung die Mindestsicherheiten auf 200 % gesetzt wurden.

 

Ergebnis Baumuntersuchung am Entla's Keller Biergarten vom 24.04.2019

Auswertung der Zugversuche an den beiden Linden Nr. 13790 (Eingang Ost) und 3044 (Eingang West). Die Zugversuche wurden am 23.4.2019 durchgeführt.

Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung:

  • Die Bäume wurden hinsichtlich ihrer Bruchsicherheit und ihrer Standsicherheit (Verankerungsfähigkeit im Boden) untersucht. Dabei wurden beide Bäume mehrmals in zwei unterschiedliche Lastrichtungen gezogen. Je zweimal in Nordrichtung (senkrecht zum Hang) und zu Vergleichszwecken auch jeweils in die vom Sachverständigen Siegert gewählten Lastrichtung. Dabei hat sich gezeigt, dass die von uns gewählte Zugrichtung in Richtung Norden (senkrecht zum Hang) die schwächere Lastrichtung war.
  • Die Bruchsicherheitswerte liegen bei beiden Bäume allesamt deutlich über dem anzustrebenden Sicherheitsfaktor von 1,5.
  • Die niedrigsten gemessenen Standsicherheitswerte fallen im Vergleich zu den Bruchsicherheitswerten geringer aus, liegen mit 1,6 (Baum 13790) und 2,1 (Baum 3044) jedoch ebenfalls über dem Sicherheitsfaktor von 1,5.
  • Für beide Bäume wurde eine hohe statische Grundsicherheit errechnet (Faktor 4 bzw. 5), was im Wesentlichen auf das günstige Höhen-Durchmesser-Verhältnis zurückzuführen ist. Beide Bäume wurden bereits in der Vergangenheit bis in den Starkastbereich eingekürzt und sind damit um mehrere Meter in der Höhe reduziert worden.
  • Die deutlich negative Abweichung der gemessenen Standsicherheiten zur errechneten Grundsicherheit weist darauf hin, dass die Bäume im Wurzelbereich maßgeblich vorgeschädigt sind. Dies war bei Baum Nr. 13790 bereits anhand der von außen erkennbaren offenen Fäule im Bereich eines Starkwurzelanlaufs erkennbar.
  • An dem südlichen Stämmling von Baum 3044 ist ein Spechtloch auf ca. 7 m vorhanden. Dieses haben wir nicht sondiert, da eine Brutstätte vermutet wurde. Der Holzkörper weist in diesem Bereich von außen jedoch keine auffälligen Defektsymptome auf. Zudem ist der Stämmling oberhalb des Spechtloches mit einer ausreichend dimensionierten Kronensicherung gesichert. Die Kronensicherung sollte jedoch weiter oben eingebaut werden (dazu mehr im ausführlichen Gutachten). 
  • Das gefundene Spechtloch wurde während unserer Untersuchung mehrmals von einem Kleiber angeflogen was auf eine aktuell genutzte Brutstätte hindeutet. In solchen Fällen ist eine Zerstörung oder Beschädigung nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz ausdrücklich verboten und bedarf einer Genehmigung der zuständigen höheren Naturschutzbehörde. Da aber im vorliegenden Fall keine konkrete Gefahr nachgewiesen werden konnte besteht hierfür derzeit keine Veranlassung.
  • In der Windlastberechnung sind u.a. bereits Abschattungseffekte durch benachbarte Bäume sowie eine Überhöhung der Windgeschwindigkeiten durch die Hanglage berücksichtigt. Alle angesetzten Parameter entsprechen aus unserer Sicht den für solche Standorte angemessen Annahmen. Als Grundlage für die Windlastberechnung dient Eurocode 1 (EN 1991-1-4) in Verbindung mit DIN 1055.

Fazit:

Nach den Ergebnissen der Zugversuche sind beide Bäume aus unserer Sicht derzeit als ausreichend bruch- und standsicher einzustufen. Selbst wenn man von noch höheren Windbelastungen an dem Standort ausgehen würde, wäre lediglich bei Baum Nr. 13790 ein Rückschnitt der Krone von rund 1,5m in der Höhe erforderlich. Eine Fällung der Bäume ist aus unserer Sicht nicht geboten. Für den weiteren Erhalt der Bäume sind angesichts der Vorschädigungen im Wurzelbereich und der hohen Sicherheitserwartung am Standort jedoch engmaschige Sichtkontrollen sowie eine Nachuntersuchung der Bäume nach Ablauf von 3-4 Jahren vorzusehen.

Oliver Berger (BSc. Arboristik)

öbuv. Sachverständiger, Brudi&Partner – TreeConsult, Baumsachverständige

Berengariastr. 9, 82131 Gauting

www.tree-consult.org

Am Erich-Keller: gefällt und abtransportiert. Foto: Jürgen Stahl
Am Erich-Keller: gefällt und abtransportiert. Foto: Jürgen Stahl

CSU-Fraktionsvorsitzender Jörg Volleth fordert die Stadtverwaltung auf, die Baumfällungen am Bergkirchweihgelände zumindest bis zu einer Beratung im Bau- und Werkausschuss (BWA) am 7. Mai 2019 zu stoppen.

Am Donnerstagnachmittag (18. April 2019) hatte sich Volleth auf dem „Berg“ vor Ort ein Bild der Situation gemacht und habe sich das Ergebnis der ersten „Baumfällarbeiten“ angesehen. "Ich war entsetzt. Über solch gravierende Maßnahmen am 11. April 2019 den Stadtrat lediglich mündlich „zur Kenntnis“ zu informieren empfinde ich als verstörend", so Volleth wörtlich. Wenn jemand in Erlangen in ihrem/seinem Garten ein Bäumchen fällen wolle, weil sie/er für die Familie mehr Wohnraum möchte, würden Horrorszenarien von Rot-Grün aufgebaut und hier am „Berg“ werden hundert Jahre alte Bäume ohne große Diskussion gefällt.

Das ganze Vorgehen der Erlanger Stadtverwaltung verwundert Jörg Volleth: Warum jetzt diese Art von Nacht- und Nebelaktion? Wir erwarten überzeugende Antworten und das Aufzeigen von Handlungsalternativen.

Im Einzelnen fordern Jörg Volleth und die CSU-Stadtratsfraktion:

  1. Die Baumfällarbeiten werden zumindest bis zu einer Beratung im BWA am 7. Mai 2019 sofort gestoppt.
  2. Es wird ein Vor-Ort-Termin anberaumt, an dem auch die Mitglieder des Stadtrats teilnehmen können.
  3. Dem Stadtrat wird ein zweites Gutachten vorgelegt, ob diese Baumfällungen tatsächlich alternativlos sind oder ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, die Bäume zu retten und trotzdem die Sicherheit zu gewährleisten.
  4. Welche Maßnahmen hat die Stadt Forchheim auf dem Kellerberg für das Annafest getroffen?
  5. Was hat die Stadt Erlangen seit dem Baumgutachten von 2016 zum Bergkirchweihgelände unternommen, um die Bäume zu pflegen, zu erhalten bzw. um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen?
  6. Warum werden diese Maßnahmen dem Stadtrat nicht mitgeteilt?
  7. Wer trägt die Verkehrssicherungspflicht für den Baumbestand im Bereich des Festgeländes der Bergkirchweih?
  8. Welche Bäume, die hätten erhalten werden sollen, wurden jetzt gefällt bzw. sollen gefällt werden?
  9. Welche der Bäume stehen nicht auf städtischen Grundstücken?
  10. Wann und wo werden Ersatzpflanzungen vorgenommen? Welche Größe und Baumart werden dann angepflanzt?
  11. In welchem Maß ist Totholz im Baumbestand am Berg ökologisch wertvoll und auch unter Sicherheitsaspekten möglich?
  12. Wie lautete der genaue Auftrag der Gutachter 2016 und 2018?
  13. Sind Zug-/Rütteltests an den Bäumen zwingend vorgeschrieben?
  14. Welchen Wert hat das Holz der gefällten / nach Gutachten zu fällenden Bäume und wie wird das Holz verwertet?
  15. Haben jetzt beauftragtes Gutachterbüro und Baumfällunternehmen die gleichen Gesellschafter?
  16. Wie wurden diese Aufträge ausgeschrieben / vergeben?
  17. Warum wurde der Stadtrat vom Ergebnis des Gutachtens Oktober 2018 nicht ausführlich unterrichtet und beteiligt?
  18. Auf welche Windstärken sind die Baumpflegemaßnahmen am Bergkirchweihgelände ausgerichtet?
    Der Deutsche Wetterdienst beschreibt Windstärke 10 als „schweren Sturm“ mit 90 bis 100 km/h und beschreibt die Auswirkungen des Windes im Binnenland: „Wind bricht Bäume, größere Schäden an Häusern“
    www.wettergefahren.de/warnungen/windwarnskala

Die lapidare Pressemitteilung

„Auf dem „Berg“ müssen aus Sicherheitsgründen Bäume fallen - 25 Bäume im Bereich des Entla`s Keller sowie an der Berg- und der Rathsberger Straße, am Erichkeller und am Schützenweg gefällt werden. Auch drei Fällungen im Alteichen-Hainbestand an der Ebrardstraße sind notwendig.   . . .“

und ein Pressetermin am Montag, 15. April 2019, genügen der CSU-Stadtratsfraktion nicht. Wir können nicht verstehen, wie die Stadtverwaltung hier Bürgerinnen und Bürger vor den Kopf stößt.

Dem Stadtrat lagen bisher Aussagen zu den Bergkirchweih-Bäumen in folgenden Zusammenhängen vor:

Dem Stadtrat liegen bisher nicht vor:

  • Baumgutachten Oktober 2018
  • Kartenübersicht/Einzelheiten zu den Baumfällungen April 2019 aufgrund des Baumgutachtens Oktober 2018

Ansprechpartner:

Jörg Volleth
Oberbürgermeister-Kandidat, Fraktionsvorsitzender, Stadtrat, stv. CSU-Kreisvorsitzender, CSU-Ortsvorsitzender Frauenaurach, Kriegenbrunn, Hüttendorf, Neuses

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